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„Wenn nicht täglich drei, vier Briefe das Haus verlassen, habe ich nichts verdient.“

Heinz Pionteks Briefe an die Familie und Margrit Dürring.

Das wiedererstarkende Interesse an Briefwechseln bedeutender Persönlichkeiten ermöglicht dem Wolff Verlag eine zweite Veröffentlichung zum Leben und Werk des Dichters Heinz Piontek (1925-2003). Der vorliegende Band versammelt ausgewählte Briefe Pionteks an seine Familie und seine Bewunderin und Freundin Margrit Dürring. In ihnen schildert er Alltäglichstes wie Tagesabläufe, Essenspläne, aber auch Eitelkeiten, Geldsorgen und Gedanken zur Sicherung seines literarischen Erbes: "Heute mehr denn je kommt es mir wie ein Wunder vor, dass ich sozusagen alles in meinem Beruf erreicht habe, was sich ein Schriftsteller heute wünschen kann; ich meine, ein anspruchsvoller Schriftsteller, der in die Literaturgeschichte eingeht, und nicht Herren wie Konsalik oder Simmel. So war es im Grunde schon immer: die einen machten das Geld, die anderen machten das Dauerhafte, mit dem sich die Kultur fortpflanzt, und wenn sie Glück hatten, wurden sie mäßig oder sehr berühmt, meist nach ihrem Tod." (Brief vom Herbst 1990).

Im Wolff Verlag Berlin, Herausgeber Anton Hirner und Verleger Robert Eberhardt

Zum Buchgespräch in den Räumen des Wolff Verlags eröffnete der Mitherausgeber des Buches, Anton Hirner, einen Blick in den Alltag des Autors und sprach über das drohende Vergessen seines Werkes nach seinem Tod 2003. Obwohl mit vielen literarischen Ehren Deutschlands ausgezeichnet und von bedeutenden Kolleginnen und Kollegen hochgelobt, ist Heinz Piontek heute nur noch wenigen bekannt (auch zu Lebzeiten thematisierte der Autor dieses Dilemma in seinen Briefen).


Die politische „Schwerhörigkeit“ (Hirner) und seine scheinbare Immunität gegenüber Programmen und politischen Strömungen schienen das schnelle Verblassen des Piontekschen Werkes im literarischen Kanon zu verstärken. Die Bayerische Staatsbibliothek investierte andererseits ab 1980 290.000 DM für mehrere Ankäufe seines Vor- und Nachlasses.


Mit der Eröffnung des Heinz Piontek Museums in Lauingen gelang Anton Hirner und seinen Mitstreitern die Sammlung seiner Publikationen, die Sichtung von Teilen seines Nachlasses und die Digitalisierung seiner Briefe.


Wie rege sich Piontek mit seinem engen Umkreis, Berufskollegen und Außenstehenden austauschte, beweist das Konvolut von circa 700 Briefen, das das Hirnersche Museumsprojekt bisher gesammelt und digitalisiert hat. Der Schriftsteller selbst sah, neben seinen Werken, den Brief als wichtiges Mittel, um sich bekannt zu machen und somit den Lebensunterhalt zu verdienen: „Wenn nicht täglich drei, vier Briefe das Haus verlassen, habe ich nichts verdient.“


Der Briefsammelband des Wolff Verlages zeichnet einen Querschnitt durch Pionteks Leben, vom Neuanfang in den Fünfzigern nach den Kriegswirren bis zum Alltag als lebenserfahrener Schriftsteller. Die lebensnahen, schnörkellosen Briefe entstanden ohne Vorbereitung und spontan, so dass sich dem Leser oft sehr eindringlich Alltag und Eigenwahrnehmung Pionteks erschließen.


Der entlegene Dichter wird durch seine ehrlichen, persönlichen Briefe nahbar. Der Wunsch von Anton Hirner und den Forschungskollegen ist es, mit diesem Briefband der Öffentlichkeit den Menschen Piontek nahezubringen. Das „Stiefkind der universitären Forschung“ (Hirner) erfährt seit einiger Zeit größere Beachtung in Forschungsschwerpunkten und -symposien der Universität Breslau.


2025, zum 100. Geburtstag, soll ein Sammelband das Gedenken an den suchenden Einzelgänger Piontek auffrischen. Eine langfristige Bewahrung und Sicherung des Werkes Pionteks, vielleicht durch den bayerischen Staat, wäre in jedem Falle wünschenswert.


Anton Hirner / Hartwig Wiedow: "Postlose Wochenenden gab es selten bei uns", Seiten, Hardcover, Halbleinen, Lesebändchen, Abbildungen, 19,90 Euro.


Maximilian Gränitz

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