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Patrick Boucherons Leonardo und Machiavelli stillt nicht nur den Wissensdurst des Historikers, der Text ist zugleich auch ein ästhetisches Vergnügen. Le Monde

 

Urbino, Ende Juni 1502. Die italienische Stadt wurde soeben mit einer solchen Geschwindigkeit, Wucht und Skrupellosigkeit eingenommen, dass der Name ihres Eroberers von nun an in ganz Italien widerhallt: Cesare Borgia. Er gehört zu den Fürsten einer neuen Zeit, die mit ihren Feldzügen die alte Ordnung Italiens in Trümmer legen. Im Zeitraum der Eroberung halten sich auch Leonardo da Vinci und Niccolò Machiavelli in Urbino auf. Leonardo hat sich zuvor als Ingenieur Borgias Hof angeschlossen; Machiavelli soll im Auftrag der Republik Florenz die neue politische Lage beobachten.

Vieles deutet auf eine Begegnung zwischen Leonardo und Machiavelli in Urbino hin, doch ist nichts von ihr überliefert. Obwohl sich die Wege der beiden in den folgenden Jahren noch mehrfach kreuzen, erwähnen sich gegenseitig mit keiner Silbe. Wie aber erzählt man die Geschichte einer Begegnung, die nur spärliche Spuren hinterlassen hat? Patrick Boucheron betrachtet Leonardo und Machiavelli als Zeitgenossen, die mit denselben drängenden Fragen konfrontiert sind. Welchen Gesetzmäßigkeiten folgt die neue Zeit, welche Formen von Politik verlangt sie, wie lässt sich ihr Rhythmus erfassen und zum Ausdruck bringen?

Mit großer sprachlicher Eleganz und Anschaulichkeit zeichnet Patrick Boucheron die bis heute kaum beachteten Berührungspunkte zwischen Leonardo und Machiavelli nach. Anhand einer Fülle faszinierender Details deckt er verblüffende Verbindungen zwischen dem scharfsichtigen Machtanalytiker und dem rastlosen Tausendsassa auf. Damit rückt Boucheron nicht nur Leonardo und Machiavelli in ein besonderes Licht, er bietet zugleich auch ein fesselndes Porträt einer bewegten Zeit.

 

Leonardo und Machiavelli

18,00 €Preis
  • ca. 200 Seiten, Französische Broschur, aus dem Französischen von Sarah Heurtier und Sebastian Wilde, Erscheinungstag: 1.10.2019, 978-3941461-37-6, 18,00 Euro

     

    Patrick Boucheron, 1965 in Paris geboren, ist Historiker. 2015 wurde er auf den Lehrstuhl „Geschichte der Machtformen in Westeuropa vom 13. bis 16. Jahrhundert“ am renommierten Collège de France berufen. Zuletzt erschien von ihm in deutscher Übersetzung „Gebannte Angst. Siena 1338. Essay über die politische Kraft der Bilder“ (2017).